Maria Magdalena Koehn (MMKoehn) & Simone Fass (Visuelle Übersetzerin) zeigen Tagebücher im ARCHIV MASSIV Leipzig, Baumwollspinnerei, Spinnereistr. 7, 04179 Leipzig
Eröffnung 1.8.26 um 17.00, mit einer Rede von Helmut Brade und MMKoehn

1.8.–22.8.26
Nora Mona Bach
Helmut Brade
Buchkinder e.V.
Mandy Kunze
Barbara Proschak
Bettina Scholz
Martin Schuster
Anija Seedler
Janina Werner













TERMINE

5.8.26 16–20 Uhr Workshop Grafisches Tagebuch
Simone Fass
8.8.26 16 Uhr Führung in Leichter Sprache
Simone Fass
14.8.26 16 Uhr Führung für Blinde
Simone Fass
19.8.26 16–20 Uhr Workshop Schreiben & Atmen
MMKoehn
21.8.26 16 Uhr Finissage Tagebuchstammtisch und 19.00 Buchpräsentation Burkhard Glaetzner: fernnähe

Journal Intime Tage Buch Denk Schrift
Intim – In time – das Tagebuch als privater Raum des Zwiegesprächs. Der Dualismus vom Abstand zu Erlebten bei gleichzeitiger Verdichtung, Verbindung und der Mitschrift zu innersten Bezirken der persönlichen Warnehmung.
Diesen Samstag, am 1. August, ist es so weit: Wir eröffnen um 17.00 die Ausstellung “Journal Intime”. Sie zeigt unterschiedliche Formen des Tagebuchschreibens mit Worten, Bildern, Notizen, Fragmenten und Fundstücken. Wir zeigen Arbeiten, die sonst eher im persönlichen Zwiegespräch zwischen dem*der Schreibenden und dem Tagebuch bleiben. Absolute Intimität erfährt nun absolute Öffentlichkeit.
Wer schreibt noch Mémoire?
Selbstreflexion in chronologischer Form?
Zeit verlangsamen, Schutzreflex oder Abstand zu sich selbst gewinnen?
Maria Magdalena Koehn, Verfechterin der Handschrift, und Simone Fass, Spezialistin für visuelle Sprache, laden in die Spinnerei zum kollektiven Tabubruch: das Tagebuch wird Ausgestellt. Absolute Intimität erfährt absolute Öffentlichkeit. Ein Appell für das Schreiben und Erinnern, aus dem Selbst ins Kollektiv. Das Experiment beginnt ab dem 1. August 2026.
Gegen den Zeitgeist des Vergessens!
DRINGEND!
Wie hole ich mir meine Zeit zurück?
Antwort, die im neurokulturellen Wandel dringender denn je erscheint.
In Nora Mona Bachs Ahnenlinie ist der Prokurist zu Hause gewesen: italienisch procura ‚Vollmacht‘, von lateinisch procurare „für etwas Sorge tragen“, täglich Wetteraufzeichnungen.
Das Tagebuch hat etwas von einem Kummerkasten, was man da hineinschreibt ist erledigt, gebändigt.
Wird teilweise vernichtet oder über Jahre ergänzt.
Temperaturangaben zum Beispiel.
Meine Oma hat dies auch getan, jetzt übernimm es die Wetterapp.
Tagebücher sind kein fertiges Werk, sondern ein fortlaufender Prozess. Gerade das macht sie so spannend. In ihnen sammelt man Gedanken und Gefühle, dokumentiert Begegnungen und kleine Momente, die im Alltag leicht übersehen werden. In einer Zeit, in der Menschen viele Aufgaben und Denkprozesse abgeben an KI und Bilder im Sekundentakt vorbeiziehen, gehen eigene Erfahrungen und Gefühle immer leichter unter. Tagebücher sind ein Gegensatz zur schnelllebigen technisierten Welt. Sie schaffen Raum für eigene Beobachtungen, Gedanken und Erinnerungen. Welch ein Reichtum dahinter steckt! Das menschlich geschaffene Unfertige, Zufällige und Spontane erzählt direkte und unmittelbare Geschichten, die von Mensch zu Mensch berühren.

Helmut Brade: „Diese Bücher sind die
Verlängerung meines Denkens.“



Archiv der Vergesslichkeit
Über viele Jahre entstand beinahe täglich eine Zeichnung. Die meisten wurden nie gezeigt.
In der Vitrine erscheinen sie nicht als einzelne Arbeiten, sondern als Zeit, als verdichtete Dauer einer künstlerischen Praxis.

Wenn ich zurück schauen werde, was wird sich eingeschrieben haben? Die Mühen der Ebene oder Notizen, die die Situation bewusst in mein Be-wusst-sein eingeschrieben hat?




Bei MMKoehn erschienen: Nora Mona Bach: Metamorphit; Helmut Brade: Plakate, Helmut Brade: Texte, Helmut Brade: Requisitenbriefe, Mandy Kunze: Die blaue Stunde; Barbara Proschak: Material – Anhaftung – Variabel, Material, Bettina Scholz: video; Martin Schuster. Salad Days; Anija Seedler: Schattenfraß – auch als Ebook, und: Mondpalast
MMKoehn / Maria Magdalena Koehn: Grafikdesignerin, Typografin, Buchgestalterin, Verlegerin, Zeichnerin, Kuratorin, Speakerin (@mmkoehnverlag)
Simone Fass Illustratorin, Visuelle Übersetzerin (@visuelle.uebersetzerin)
„Keine Struktur ohne Differenzierung, und alle Differenzierung braucht Zeit, damit aus zunächst Nichtsagenden Signalen durch Interpretationen Informationen werden können.“ Werner Balzer